Grünfeld Tonträger

Teils alt. Teils neu. Teils CC-Musik. Aber immer Dub.

DML – Grün #01 by DML | Dirk Lamprecht

Wir zeichnen ein pathetisches aber passendes Bild: Gewitterwolken über dem Atlantik, der Sand unter den Fußsohlen ist fast komplett ausgekühlt, es nieselt einem waagrecht ins Gesicht und jedes Mal, wenn der Blick zum Horizont schweift, sind die düsteren Wolken wieder ein Stück näher gekommen.

Drückend und dubbig schiebt sich der wuchtige Bass von FLUID (RESHAPE) über das Wasser und kräuselt dessen Oberfläche. Man zögert, wartet und ist gespannt bis sich der Trackaufbau endlich in einer zuckenden Melodie entlädt. Was beim Original noch klar und hell wirkt, wird vom RESHAPE in kontrastreichen Graustufen neu interpretiert und ins Gegenteil verkehrt.
Bei dem Stück TIDAL hat das Wetter schließlich den Strand erreicht. Dunkle Wellen schwappen über den feinen Sand. Gewaltig und pulsierend rollt der Beat heran und wird von den HiHats weiter aufgepeitscht. Im Wechsel von Flut und Ebbe werden die kleinen Melodiefetzen hin und her geworfen und erst wieder losgelassen als sich die See wieder beruhigt.
Der BEATLESS EDIT von FLUID steht dann förmlich für die Ruhe nach dem Sturm. Überall liegt Treibholz verstreut – hier und da ein zerrissenes Seil oder die Reste eines Netzes. Man hat mal wieder gezeigt bekommen, wie klein und unbedeutend man eigentlich ist, aber man hat überlebt. Ahoi!

DML - Tidal

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Dub + House x Deepness : Techno. Grünfeld rechnet in drei Mixen mit dem vergangenen Jahr ab. Irgendwo zwischen dickflüssigen Dubwalzen, geschmäcklerischen Housebrettern und elegantem Altherren-Techno begraben wir Zwanzigzehn.

Zum freien Download hier:

DML – Grünfeld Hearts You #7 by DML | Dirk Lamprecht

Holger Leger – Grünfeld Hearts You #8 by Holger Leger

Philipp Friedrich – Grünfeld Hearts You #9 by philipp_friedrich

Netzwerke gleichen oft fragilen Ökosystemen. Man ändert nur eine, scheinbar unwichtige Komponente, das gesamte Netz kommt aus dem Gleichgewicht und bricht am Ende vielleicht zusammen.

Auf seiner „Local Area Network EP“ konfiguriert DML ein komplexes Netzwerk aus nebligem Dubtechno, verhallten House-Entwürfen und schnurgerade scheppernden Basic-Channel-Anleihen. Während das Dirk Lamprecht Rework von „192.168.0.1“ mit seiner satten Kickdrum einen kleinen, zarten Melodiebogen streng vor sich hertreibt, pumpt und schnarrt sich „192.168.0.2“ schon etwas zwingender in Richtung Open-Air-Tanzfläche. „192.168.0.3“, der dritte im Bunde, ist mit seiner scheppernden Hi-Hat schließlich der geradlinigste, fast schon wertkonservative Track der EP.

Betrachtet man das Release als Ganzes, zeigt sich deutlich, wie sehr die eingangs erwähnte These auch hier zutrifft: DML nutzt für seine drei Tracks jeweils den gleichen IP-Adressbereich, beziehungsweise dasselbe ästhetische Grundgerüst und verschiebt innerhalb des jeweiligen Netwerks nur einige wenige Parameter. Am Ende stehen drei Tracks, die sowohl als einzelne Teile, sowie im gemeinsamen Verbund funktionieren.

DML - Local Area Network EP

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Wäre es möglich durch die Zeit zu reisen, könnten wir unserer eigenen Geburt zuschauen oder unsere Großväter im Sandkasten spielen sehen. Wir könnten uns zu ihnen setzen und gemeinsam eine Sandburg bauen. Damit würden wir die Vergangenheit verändern und auch die Zukunft – also unsere Gegenwart – würde daraufhin sicherlich ganz anders aussehen. Ein Remix funktioniert ganz ähnlich. Aus den einzelnen Fragmenten eines Tracks lässt er etwas Neues entstehen, ist also zugleich Retro- und Perspektive – Vergangenheit und Zukunft.

Mit der fünften Katalognummer katapultieren wir uns noch einmal zurück in unsere eigene Geburtsstunde und betrachten FIN durch das Remix-Fernrohr. Dabei sieht jeder der Beteiligten etwas anderes.

Der Röntgenblick von SUEDMILCH [ROTARY COCKTAIL, POUR LE MÉRITE, AUTIST, ETC.] zeigt uns beispielsweise das Skelett des Tracks, was bislang von seinen ausufernden Melodien verhüllt blieb. Diese sieht LIQUID LEVEL [DEEPINDUB, INOQUO, ETC.] hingegen noch sehr klar und deutlich vor sich und zeichnet ein noch farbenfroheres Bild des ohnehin schon euphorischen Tracks. Die Glückseligkeit findet auch BALDO [NEOVINYL, FLUMO, ETC.] in einer deepen und entschlackten House-Ästhetik, ohne jedoch den Track zu etwas zu machen, was er nicht ist. Und DML selbst betrachtet sein Werk schließlich noch einmal durch die Detroit-Brille. Treibende Chords, klare Richtungsangaben, ohne Umwege, direkt zum Ziel.

Bleibt die Frage, was passiert, wenn wir nachträglich die Geschichte verändern, optimieren, interpretieren? Schmetterlingseffekt? Großvater-Paradoxon? Die Zeit wird es zeigen!

DML - Fin (Remixed)

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Auf der vierten Grünfeld-Katalognummer kommt schlussendlich zusammen, was schon immer zusammengehörte. HOLGER LEGER trifft auf Dirk Lamprecht alias DML. Dub trifft auf Detroit. Club trifft auf Afterhour. Nie zu viel des einen und immer genug des anderen.

Mit ORGAM eröffnet HOLGER LEGER den Reigen und schafft den Brückenschlag zwischen warmen, organischen Dubsounds und geradlinig pulsierenden Chords ebenso spielend wie die Symbiose aus uferlosen Echos und treibenden Elementen.

Und wenn sein Track langsam verhallt ist, greift DML genau diesen gedanklichen Faden wieder auf und knüpft nahtlos daran an. Mit BNT-4 (RE:) verwebt er seine Vorliebe für holzige Percussions elegant mit wabernder Detroit-Ästhetik und heraus kommt ein Hybrid mit klar strukturiertem Gerüst und einem verschwommenen Gewand.

Dass diese Art von Verschmelzung dem Release als stringentes Gesamtkonzept zugrunde liegt, wird spätestens deutlich, wenn sich beide Produzenten in einem gemeinsamen Track in den endlosen Weiten des Hallraumes verlieren. Wie ein subtropischer Sommerregen fühlt sich die flächige Struktur von SUBCONSCIOUS an. Die Hitze des Tages – oder der Clubnacht – wird weggespült von einem kleinen Gewitter und der Donner jagt einem Schauer über den Rücken. Ein Bild an dem Sigmund Freud viel zu deuten gewusst hätte und ein perfektes Resumée – oder besser ein schlüssiger Höhepunkt – für dieses Release.

Schließlich heißt es schon immer: was lange währt wird endlich gut!

DML & Holger Leger - Tropical Split EP

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Detroit ist Motor City. Detroit ist Asphalt. Detroit ist Autobahn. Detroit ist kalt. Detroit ist arm. Detroit ist schwarz. Detroit ist Fabrik. Detroit ist Soul. Detroit ist Techno. Detroit ist Wurzel.

Die Wortkette, die an dem Ort in Michigan entspringt ist endlos und zeichnet ein ambivalentes Bild der Stadt. Industrielle Kälte und Härte auf der einen Seite – kreative Wärme und Vielfalt auf der anderen. Dabei ist nicht wichtig, ob man Detroit je mit eigenen Augen gesehen hat, denn die Stadt leiht sein Gesicht all denjenigen, die ihre Sehnsüchte darauf projizieren möchten.

DML taucht mit seiner INTO THE DEEP EP in ebenjenen Zwischenraum von streng kalkulierter Form und emotional aufgeladener Spontaneität.
ARBEITSTITEL eröffnet die Trilogie und nimmt sich Zeit Spannung aufzubauen und sie wieder zu entladen – damit wird der Track zur hintergründigen, deepen Club-Nummer.
Den sprichwörtlichen zweiten Blick braucht man auch für FLUID, das einerseits zart seine Strings entfaltet und andererseits den Tacho auf der Achse Detroit-Chicago sanft nach oben treibt.
Mit FÜR S. gelingt DML schließlich der finale Unter- beziehungsweise Aufgang in der Tiefe des Sounds. Der Titel betrachtet alles Vorangegange losgelöst und von einem Punkt tief unter uns und ist damit ganz nah an der Wurzel.

Die Reise INTO THE DEEP ist also mehr als geglückt.

DML - The Remix Files Vol. 1

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Die Enzyklopädie listet den Begriff Remix als „Neuabmischung eines noch zu veröffentlichenden oder schon veröffentlichten Musiktitels auf der Basis des Mehrspuroriginals”. Demnach erkennt der Remixer zielsicher die Qualitäten des Ursprungstracks, stellt sie in den Vordergrund, lässt Überflüssiges unter den Tisch fallen und gibt seiner Bearbeitung ein eigenes, neues, frisches, zumindest immer anderes Gesicht. Bestenfalls tänzelt der so entstandene Track elegant auf dem schmalen Grat zwischen alt und neu.

DML zerpflückt auf der neuen Nummer des Grünfeld-Katalogs gekonnt drei Mehrspuroriginale und fügt sie zu einem neuen Gesamtbild zusammen. Frank Molders, ambient-geschultes COME WITH ME (2007 erschienen beim Netlabel “One Bit Wonder“, Katalognummer 27) wird auf einmal von einem geraden Takt getragen und kann somit die Peak-Time vorbereiten, bzw. ausklingen lassen.
Matt Hartmuts obskurer Titel UNTER NEM NAMEN OLGA bekommt eine letzte aber nicht minder ordentliche Portion Druck aufgebunden und hat letztlich den gleichen Energiepegel wie Herrn Fausts KLEINES DING nach einer Frischzellenkur in DMLs Rechnerweiten. Somit entsteht ein sehr heterogenes Release, was eben genau deshalb Sinn macht, da alle Tracks an einem Abend zu unterschiedlichen Zeiten spielbar werden. Dadurch entsteht der größtmögliche Spannungsbogen und hiermit schließt sich der logische Kreis.

DML - The Remix Files Vol. 1

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Bedient man sich der Naturmetaphorik um einen Track zu beschreiben, schifft man schnell in seichten Gewässern. Es ist ein schmaler Grat auf dem man wandert, beziehungsweise rudert, möchte man in Ufernähe bleiben und gleichsam das Abenteuer nicht scheuen. Den Boden unter den Füßen zu behalten ist ein Sinnbild, welches der Theorie des Wasserauftriebs logischerweise widerspricht.
Der Bachläufer scheint dieses Gegensatzpaar trotzdem vereinen zu können. Sein schlanker Körperbau ermöglicht es ihm die Oberflächenspannung des Wassers zu nutzen und sowohl geschmeidig über die Baggerseen zu gleiten. FIN mäandert nicht minder elegant durch die Luft. FIN ist ein Track für das Bittersüße. FIN ist die Party am Ufer, wenn die Mücken stechen und die Sonne schon wieder aufgeht. FIN ist der leicht salzige Geschmack von getrocknetem Schweiß. FIN ist eine Bierflasche in Scherben, die wunderbar funkelt. FIN ist der Track für die kitschige Kulisse aus grüner Wiese, klarem Bergsee und brummeligem Bär. FIN ist der Track zum kentern und ankommen. Schluss. Aus. Ende. Fin.

DML - Fin

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